Motorradwochenende in Thüringen
Am 05. Juli startete die diesjährige Wochenendtour des MSC Heidelberg Kirchheim, wir trafen uns um 9.30 Uhr, so dass wer mochte noch einen Kaffee nehmen konnte und in Ruhe die Gruppen eingeteilt werden konnten.
Wir waren 15 Motorräder, 2 Beifahrer und eine Teilnehmerin reiste per Auto an. Grundsätzlich gilt bei den Ausfahrten des MSC, dass jeder nach seinem Wohlbefinden fahren kann so lange nicht abgebogen wird. Beim Richtungswechsel wird gewartet. Ansonsten gibt es wenig Reglementierung. Ziel ist es auf verschiedenen Niveaus das Motorrad fahren zu genießen und sich dem gesunden Menschenverstand entsprechend zu verhalten.
Die Gruppen wurden geführt durch einen routinierten Fahrer, der für die Streckenfindung verantwortlich ist. Auch sorgt er dafür, dass die Gruppen zusammenbleiben. Das wir vor allem viel Spaß haben dazu trägt jeder der Teilnehmer bei.
Schnell wurde die Einteilung gefunden, zufällig passte es, dass jede Gruppe 5 Motorräder hatte. Es gibt eine sportlich orientierte Gruppe, die den Fokus auf das Fahren legt, eine Gruppe, der auch der Genuss der Landschaft wichtig ist und eine Gruppe von Einsteigern und Wiedereinsteigern. In dieser Gruppe hat auch das Motorrad des MSC seine Premiere, eine Honda CB 500 F. Diese wird Mitgliedern des MSC zur Verfügung gestellt, um zu üben und die Vorzüge moderner Zweiradtechnologie gegenüber älteren Motorrädern erfahren zu können. Die CB 500 F hat 48 PS und ist somit auch für Umsteiger von A1 auf A2 oder Neueinsteiger nutzbar.
Wir haben 3 Tage vor uns, die Hinfahrt wird eine Streckenlänge von ca. 330 km haben. Wir fahren durch den Odenwald und kreuzen bei Klingenberg den Main. Direkt vor der Überquerung des Mains nimmt unsere Gruppe – die Einsteiger und Wiedereinsteiger – einen Kaffee. Der Stopp wird auch genutzt um erwünschte – und wahrscheinlich auch unerwünschte – Tipps zu geben.
Unsere Gruppe der Einsteiger und Wiedereinsteiger setzt sich zusammen aus einem erfahrenen GS Fahrer, der am Ende der Gruppe fährt, einer 650er BMW, einer F 700 GS, der MSC Honda und meiner mit 2 Menschen besetzten Transalp 700.
Seit 5 Jahren bietet der MSC neben einer monatlichen Sonntagstour mit dem Motorrad und einem oder 2 Aufwärmtrainings für die Saison, eine Wochenendtour an. Bei unseren Touren nehmen Fahrerrinnen und Fahrer aller Altersklassen mit Motorrädern – oder auch Rollern – aller Hubraumklassen und Kategorien – Reiseenduro, Naked Bike, Supersportler und was es sonst noch so gibt – teil.
Nach der Kaffeepause geht es in den Spessart, den wir vor einigen Jahren wiederentdeckt haben. Anders als im Odenwald findet hier keine Unterscheidung in der Reglementierung zwischen PKW und Motorrädern statt. Die Straßen wurden in den letzten Jahren vielerorts in Stand gesetzt und das Flair des Räuberwaldes tut sein Übriges, um sich hier mit dem Motorrad wohl zu fühlen.
Die Mittagspause verbringen wir im Gasthaus zum Jossatal in Bad Soden-Salmünster. Die anderen haben leichte Umwege gewählt, so dass wir uns alle noch im Gasthaus treffen, auch wenn die einen schon auf dem Sprung zur Weiterfahrt sind.

Das Gasthaus bietet einen sehr angenehmen Aufenthalt. Ein schöner Biergarten an einem Bach gelegen, sehr freundliches Personal und die Bereitschaft, den Nachzüglern auch nach 14.00 Uhr noch die Speisekarte zu offerieren und die Nachmittagsruhe eben später zu beginnen, haben uns dort richtig wohl fühlen lassen.

Nach der Pause geht es Richtung Sinntal und dann verlassen wir den Spessart und kommen in die Rhön. Den höchsten Berg der Rhön und auch Hessens, die Wasserkuppe müssen wir leider links liegen lassen.
Auf dem Berg, der überregional als „Wiege des Segelflugs“ bekannt ist, entspringt die Fulda, weitere 30 Bäche haben hier ihren Ursprung. Von der Gipfelregion reicht der Blick bei guter Sicht über die Rhönlandschaft hinweg unter anderem bis zu Hohem Meißner, Rothaargebirge und Taunus.
Die Wasserkuppe ist auch ein sehr beliebter Motorradtreff und aus der Region Rhein-Neckar bei frühem Start und gutem Sitzfleisch ein für Motorradfahrer attraktives Ausflugsziel für eine Tagestour.
Nach 330 km auf dem Tageskiometerzähler erreichten wir das Hotel Tanzbuche westlich von Friedrichsroda mitten in einem wunderschönen Wald gelegen.


Die 2 anderen Gruppen sind bereits angekommen, wenn auch nicht mit so großem Vorsprung und das traditionelle Festmacherbier – oder Schmutzbier – im Kombi lacht uns bereits entgegen.
An diesem Tag hatten wir Halbpension gebucht und nach dem Abendessen und einigen weiteren Getränken leerten sich die Tische, es war eine wunderschöne Tagestour bei hervorragendem Wetter, aber wir waren auch alle müde.

Am nächsten Morgen finden sich 3 Motorradfahrer um 6.00 Uhr zusammen für einen Kurztripp vor dem Frühstück, mangels ordentlicher Planung war die Streckenführung nicht so überragend. Eine kurvige Rundfahrt durch das Navi planen zu lassen, funktioniert nur dann, wenn es keine Sperrungen und Umleitungen gibt. In so einem Fall ist die Funktion schnell an Ihren Grenzen. Die zwei Teilnehmer mögen es mir nachsehen und diese Tradition trotzdem beibehalten, beim nächsten Mal wird die Fahrt vor dem Frühstück wieder gescheit geplant.
Für diesen Tag hatten die Routenplaner eine Tour von Friedrichsroda durch den Thüringer Wald bis Saalfeld Saale geplant, der Rückweg führte uns dann an der nordöstlichen Flanke des Thüringer Waldes entlang.
Die Gruppen setzten sich etwas anders zusammen, denn es gibt Fahrer, die diesen Tag als Beifahrer genießen möchten. Beifahrer, die den Tag in der Natur auf den wunderschönen Wanderwegen auf und neben dem Rennsteig verbringen wollen. Und es gibt natürlich auch Motorradfahrer die an diesem Tag dringende und wichtige Dinge erledigen wollen, zu denen man zu Hause einfach nicht kommt, z.B. Reifen wechseln.
Die Route ist hervorragend geplant. Außer einem Motorradfahrer, der seine Gruppe von geschätzt 20 anderen Fahrern verloren hat und deswegen direkt hinter einer Kurve auf der Straße wendet, gab es in unserer Gruppe keine besonderen Vorkommnisse. Es war einfach nur purer Fahrgenuss in einer wunderschönen Gegend mit überwiegend guten Straßen. Die weniger guten befinden sich in Sanierung.
In Saalfeld ist ein Tisch für uns im Gasthaus „Zum Pappenheimer“ reserviert, ein schönes Lokal mit sehr freundlicher Bedienung und gutem Essen. Von Saalfeld selbst erhalten wir nur einen Eindruck beim Durchfahren, eine Stadt mit netten Gassen und schöner Architektur.
Auf dem Rückweg von Saalfeld nach Friedrichsroda führt uns die Route durch viele Straßendörfer, es ist landschaftlich eine sehr schöne Tour aber auf Grund der vielen Baustellen und Ampeln zieht es sich.
Es wundert uns ein wenig, dass hier so viel Straßen saniert werden müssen, da hier offensichtlich erst kurz nach der Wende viele Häuser und Straßen saniert wurden.
Pünktlich zum Feierabendbier waren wir wieder an unserer Unterkunft. Am Abend wurde gegrillt und nachdem das Band von deutschen Schlagern zu etwas rockigerem Repertoire wechselte wurde noch ordentlich getanzt.

Am Sonntag war um 9.00 Uhr Abfahrt, der Rückweg hat eine etwas andere Streckenführung aber die Richtung ist im Wesentlichen dieselbe wie auf der Hinfahrt. Vom Thüringer Wald durch die Rhön, Wasserkuppe wieder links liegen lassen, dann in den Spessart rein und Mittagspause beim Gasthaus „Engländer“, einem der beliebtesten Motorradtreffs im Spessart. Gelegen an der Kreuzung zweier wundervoller nicht zusätzlich zur STVO reglementierter, sehr kurviger Strecken.
Der Kuchen soll hier sehr gut sein, der Mittagstisch bietet nicht für jeden etwas. Es ist ordentlich aber nicht herausragend.
Am diesem Tag war die Gruppenaufteilung wieder wie am ersten Tag und man merkt deutlich, dass 3 Tage Motorradfahren am Stück jeden Fahrer sicherer und selbstbewusster machen.
Nach der Mittagspause verlassen wir alsbald den Spessart, bei uns hat es eine Weile gedauert, da sich hinter 2 Traktoren eine Endlosschlange von Autos gebildet hat. Mir wird es nie einleuchten, warum jemand, der nicht überholen will trotzdem so dicht auffahren muss, dass auch kein anderer überholen kann.

Die sportliche Gruppe hat das tolle Wetter und die gute Laune noch für einige Umwege genutzt, so dass wir alle wieder gemeinsam und wohlbehalten am Ausgangspunkt unserer Tour ankommen und das Wochenende bei einem Feierabendbier ausklingen lassen.
Es war die vierte Wochenendtour des MSC Kirchheim, bisher waren wir zweimal in den Vogesen, einmal in der fränkischen Schweiz und dieses Jahr in Thüringen.
Die Organisatoren freuen sich sehr über die viele positive Resonanz, die wir zu unseren Wochenendtouren erhalten. Es bestärkt den Verein in dem Konzept, interessierten Fahrern aller Altersklassen mit Zweirädern aller Art ein Angebot für eine gemeinsame unterhaltsame Freizeit anzubieten. Gleichzeitig werden Erfahrungen ausgetauscht und auf Grund der unterschiedlichsten Teilnehmer, die ein Interesse eint, kommt es zu abwechslungsreichen und manchmal auch zu kontroversen Diskussionen. Diese sind meines Erachtens genauso wichtig wie die Diskussion darüber, ob nun der V2, der Boxer oder der Reihenvierzylinder das bessere Motorkonzept sind und ob nicht doch alle Motorräder rot sein sollten, aber die Meinung vertrete ich häufig allein.
